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Am 5. Juli 1937 wird der Ausbau der ehemaligen Reithalle im Westflügel des Osnabrücker Schlosses zum Sitz der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) beschlossen. Die alten Räume im Hauptgebäude des Regierungspräsidenten waren zu klein geworden. Am 1. April 1938 übernimmt die Gestapo ihre neuen Diensträume im Osnabrücker Schloss, im Keller befinden sich 5 Haftzellen. In der Progromnacht 1938 werden bis zu 90 jüdische Osnabrückerinnen und Osnabrücker in den Haftzellen im Schloss festgehalten. Die meisten Männer werden anschließend von dort in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Im Februar/März 1940 zieht die Gestapo in das ehemalige Hotel Schaumburg um. Nach der Zerstörung des Hotels im Juni 1943 kehrt die Gestapo in das Schloss zurück.

Im Januar 1944 errichtet die Osnabrücker Gestapo in Ohrbeck ein Arbeitserziehungslager. Dort sind bis zum 1. April 1945 etwa 2000 Häftlinge aus 17 Nationen Lager- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt, die für viele tödlich waren. Die meisten Inhaftierten waren Zwangsarbeiter. Sie haben wie auch viele andere Menschen die Zellen im Schloss durchlaufen. Am 1. April 1945 verlassen die letzten Gestapobeamten Osnabrück und setzen sich zur Gestapo-Leitstelle Bremen ab.


Nach 1945 trat die Geschichte der Haftzellen in den Hintergrund. Das erheblich beschädigte Schloss wurde wieder aufgebaut und nahm verschiedene öffentliche Einrichtungen auf, so ab 1953 die pädagogische Hochschule, ab 1974 hat die Universität Osnabrück hier ihren Sitz. Die Zellen und Büroräume dienten als Lager- und Büroräume. In Teilen der Räume kam später eine Studentenkneipe.

Erst seit 1995 erinnert eine Gedenktafel am Westflügel des Osnabrücker Schlosses an die Opfer der Osnabrücker Gestapo. Aus einer längeren Beschäftigung mit der Geschichte Osnabrücks in Lehrveranstaltungen zum Nationalsozialismus in Osnabrück ist der Verein "Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück e. V." hervorgegangen. Er hat die Gedenkstätte mit Unterstützung der Universität eingerichtet und betreibt sie.

Die Gedenkstätte soll ein Ort der Information, des politischen Lernens, der Erinnerung und des Gedenkens sein. Die Gestaltung soll sowohl Dauer als auch Dynamik beinhalten. Sie soll den Besuchern einen Zugang zu eigener wie fremder Geschichte ermöglichen, den Opfern Gesicht und Stimme geben und die Täter sichtbar machen.




Während der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs sind auch in Niedersachsen viele Patienten psychiatrischer Einrichtungen Opfer der Rassenpolitik geworden. In einigen psychiatrischen Anstalten in Niedersachsen wurden sie getötet. Es war ein staatlich organisierter Massenmord. Seit 2001 sind in sieben Landeskrankenhäusern Gedenkstätten entstanden, um das Geschehene nicht zu vergessen.

 

Dr. Raimond Reiter zu dem Projekt: „Man darf nicht vergessen was passiert ist. Diese Ausstellung sollte dabei helfen, uns nachdenklich zu machen.“ Die Initiatoren der jeweiligen Gedenkorte sind zu einem offenen Gespräch über die Vergangenheit bereit. In der Ausstellung werden die Gedenkorte in Göttingen, Hildesheim, Königslutter, Lüneburg, Wehnen (Oldenburg), Osnabrück und Wunstorf vorgestellt.


Ausstellungseröffnung am 7. September 2008

Pressebericht zur Ausstellungseröffnung in Osnabrück (pdf-Datei)


Zur NS-Psychatrie im "Dritten Reich" in Niedersachsen gibt es ebenfalls eine Wanderausstellung. Die Ausstellung dokumentiert wichtige Erscheinungen der Psychatrie im "Dritten Reich". Sie will gleichzeitig die Opfer der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus dem Vergessen entreißen und das Gedenken an die Opfer fördern.

Die Ausstellung zeigt neben den Opfern der Psychatrie im "Dritten Reich" auch die Verstrickung der Anstalten in das staatliche Massentöten. Ärzte, Staatsbeamte, Schwestern und Pfleger sollten im Natinalsozialismus einem antichristlichen und antihumanistischem Menschenbild verpflichtet werden. Ziel der sogenannten "Rassenhygiene" war entweder die Heilung oder anderseits die Tötung von Patientinnen und Patienten. Aber nicht alle Verantwortlichen wurden zu willigen Tätern oder Helfern unter der nationalsozialistischen Herrschaft. Das Begleitmaterial zur Wanderausstellung bietet eine Wiedergabe Wanderausstellung.


Begleitmaterial zur Wanderausstellung (pdf-Datei) ca. 2 MB




In der Zeit von Juli 2005 bis September 2008 zeigte die Gedenkstätte eine Ausstellung über den Widerstand in Haarlem, der Partnerstadt von Osnabrück. Die Ausstellung in deutscher und niederländischer Sprache wurde gemeinsam mit der Stichting Nationale Hannie Schaft – Herdenking, Haarlem erarbeitet.

1940 eroberten und besetzten deutsche Truppen die Niederlande. Dies bedeutete bis 1945 auch die Herrschaft von Gestapo und SS, Deportation der Juden und politischer Flüchtlinge in Lager und KZ, Zwangsarbeit und Verschleppung der Zivilbevölkerung in das deutsche Reich, aber auch Zusammenarbeit niederländischer Polizei und Behörden mit der Besatzungsmacht, Spionage und Denunziation. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Situation in Haarlem, eine Widerstandsgruppe junger Niederländer und die Biografie von Hannie Schaft.

Die Ausstellung zeigt niederländische Quellen und Dokumente in Verbindung mit der Osnabrücker Gestapokartei, da die Gestapostelle Osnabrück u. a. für die Überwachung des Grenzüberganges Bentheim, der Kontakte von Widerstandsaktionen und Beobachtung der Bevölkerung in diesem Gebiet zuständig war. Die Ausstellung wurde erarbeitet in Zusammenarbeit mit der Stichting Nationale Hannie Schaft - Herdenking, Haarlem.




Die missglückte Sprengung einer Eisenbahnbrücke, Erschießung einer Verräterin. Die Erzählungen von Truus Menger-Oversteegen sind spannend, voller Action, aber geschrieben vor dem Hintergrund trauriger Erfahrung. Schon im Alter von 16 Jahren kämpfte die Niederländerin gegen die deutsche Besatzung von 1940 bis 1945. Sie kam zur Ausstellungseröffnung und berichtete aus dem niederländischen Widerstand.

"Wenn man hier zu Lande von Besatzung spricht, dann meint man die Nachkriegszeit". Georg Hörnschemeyer eröffnete für den Vorstand der Gedenkstätte die Ausstellung. Er betonte dabei die andere Sichtweise der holländischen Gäste. "In den Niederlanden ist dann immer von den Deutschen die Rede." Die zweisprachig verfassten Tafeln, die die Geschichte und Geschichten der holländischen Widerstandsgruppe RVV aufzeigen, sollen diese Perspektive auch in die Köpfe der Osnabrücker Bevölkerung bringen.

Menger Oversteegen freute sich besonders, dass ein Universitätsgebäude eine solche Ausstellung beherbergt. "Hier sind die jungen Leute, die etwas Neues aufbauen können." Es sei wichtig weiterzugeben, was die Menschen in der Zeit von 1940 bis 1945 durchgemacht haben. "Aber wir brauchen auch Optimismus für die Zukunft", betonte sie. Dass eine Ausstellung über den niederländischen Widerstand in Deutschland gezeigt werde, mache Mut für die Zukunft.



 
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